Wöudi Chöubi

Markerschütternde Schreie gellen neben der Heiligblutkirche Willisau durch die Nacht – nein – diesmal ist’s kein Frevel – bloss Freude, Entzücken und reinstes Adrenalin. Die „Discovery“ raucht und spritzt und lärmt und schüttelt die Teens and Twens durch, bis sie nicht mehr wissen, wie ihnen geschieht. Gleich um die Ecke, abseits des Rummels in einer Seitengasse am Fusse der Kirche ein ganz anderes Bild: Ein antikes Rösslispiel dreht fast umbemerkt und lautlos seine letzten Runden an der Willisauer Kilbi. In der Hauptgasse und den beiden Hotspots vor den Stadttoren hingegen herrscht Rambazamba, ein Gedränge wie an der Fasnacht…

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Miss Willikau

Alljährlich im Herbst treffen sich am Willisauer Viehmarktplatz vor der Festhalle die regionalen Viehzüchter zur Wahl der schönsten Willicow. Am Mittwoch wird das Braunvieh aufgehübscht, gepflegt und bewertet, am darauffolgenden Samstag jeweils das Fleckvieh. Hier einige Impressionen von der Regioschau der sieben Fleckviehgenossenscchaften aus dem Napfgebiet mitsamt dem anschliessenden Albabzug mitten durch das Städtli Willisau.

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Esther fotografiert die Entlebucher Alpabfahrt

Esther Studhalter wagte sich mal wieder mit der Kamera auf die Piste und besuchte mit einer Freundin die rekordverdächtige Entlebucher Alpabfahrt in Schüpfheim:

Dichtgedrängt stehen tausende Menschen am Strassenrand im Dorf Schüpfheim und warten gespannt. Viele tragen ein Edelweisshemd oder gar zur Feier des Tages eine Entlebucher Tracht (Frauen) oder den «Chüjer» (die traditionelle Männer-Tracht aus einer rotweiss umrandeten, schwarzen Jacke, die mit Edelweissen bestickt ist). Trachtenfrauen schenken Kaffee aus einem Tornister aus, der Grill am Bratwurststand ist voll belegt und es schwebt ein köstlicher Duft nach Käseschnitten vorbei. An 25 Marktständen werden fleissig Alpkäse und andere Regionalprodukte eingekauft. Auf der autofreien Strasse haben sich mehrere Jodlerclubs verteilt, die mit urchigen Liedern die Zeit vertreiben. Zwischendurch erklingen die Klänge der Alphornvereinigung oder die Kindertanzgruppe Schüpfheim hüpft ein fröhliches Tänzchen. Doch dann plötzlich horchen die Leute auf, spitzen die Ohren, alle Blicke gehen Richtung Sörenberg. Grollend wie Donner klingt es in der Ferne, sie kommen!

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45. Jazz Festival Willisau

Das Jazz Festival Willisau gehört seit seinem Beginn im Jahre 1975 auch international zu den wichtigen Ereignissen der zeitgenössischen Jazz-Szene. Das 45. Jazz Festival Willisau ging heuer vom 28. August bis am 1. September 2019 bei traumhaften Wetterbedingungen über die Bühne .

1975 fand in Willisau das erste Jazz Festival statt. Die damaligen Namen kann man sich genüsslich nochmals durch die Ohren ziehen lassen: Archie Shepp, Cecil Taylor, Frank Wright, Brotherhood of Breath, Mike Osborne, Noah Howard, John Tchicai, Irène Schweizer, Albert Mangesldorff, OM. Das tönt nach Free Music und Avantgarde-Jazz. Und so klang es auch – im kleinen Städtchen im Hinterland. Willisau hat seit jeher eigenwilliger programmiert als andere Jazzfestivals. Free Jazz, Black Music und Improvisation waren seine Pfeiler. Schon bald kamen Schnittstellen zum Rock, zu ethnischer Musik und zur Elektronik dazu. Damit hat sich das Jazz Festival Willisau in all den Jahren weltweit seinen exzellenten Namen gemacht. Der Ausspruch von Keith Jarrett hat dem früh Rechnung getragen. „Willisau is one of the best places for music.“

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Gottes Rache ist fürchterlich…

Die Sühnekapelle zum Heilig-Blut übt auf Gläubige eine grosse Anziehungskraft aus. Die älteste Aufzeichnung der Heilig-Blut-Legende stammt aus dem Jahre 1498 und nahm seinen Anfang während eines Spiels von drei verruchten Männern. Bei der Stadt Willisau gab es einen öffentlichen Platz, den «Lustgarten», auf dem häufig gespielt wurde, viel gewonnen oder alles verloren wurde.

Der Legende nach sassen einst drei Männer im Lustgarten beisammen. Nachdem Ueli Schröter beim Spiel sein ganzes Geld verloren hatte, zog er erzürnt sein Schwert, stiess es in die Luft und rief: «Es solle den Leib Christi durchbohren!» Sogleich fielen Blutstropfen auf den Tisch der Spieler und der Gotteslästerer wurde unter schrecklichem Getöse vom Teufel geholt. Die beiden anderen versuchten darauf, am benachbarten Fluss Enziwigger, die Blutstropfen vom Tisch zu waschen, was ihnen nicht gelang. Beim Streit wurde der eine vom andern Spieler erstochen. Der andere ergriff die Flucht, wurde jedoch von Läusen zu Tode gemartert und brach auf der Schwelle des Stadttores zusammen. Diese Freveltat soll sich am 7. Juli 1392 zugetragen haben.

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Wellkamm to Lussörn!

Die Welt zu Gast in Luzern – Diese Woche lohnt sich ein Kurztrip in die Leuchtenstadt gleich mehrfach: nicht nur, weil Lucerne ohnehin immer eine Reise wert ist, aber erst recht, weil nun eine veritable Invasion an Lebensfreude und babylonischem Menschengewirr im Gange ist. Ganze Heerscharen an Chinesen (und Inder) prägen das Stadtbild und es ist eine wahre Freude, diesen Ausbund an Farben, Freude, Freundschaft und Folklore zu beobachten. Es bieten sich unglaubliche Ein-, An- und Aussichten: Sinn und Zweck jeder Reise bleibt ganz offensichtlich nur mehr der Bildbeweis. Es wird geknipst, was die Akkus hergeben. Influencer rollen ganze Kofferladungen an Kleidern durch die Altstadt und suchen das beste Bild aus diversen Kleidervarianten, kämpfen um die fotogensten Standorte, posen und ertanzen sich Likes und scheinen so intensiv mit ihren Smartphones beschäftigt, dass sie die fremde Umgebung gar nicht mehr wahrnehmen. Ob Lucerne, Rome, Paris oder London – Mittelpunkt jeder Inszenierung bleibt eh nur das eigene Ego…

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