Kurt Limacher: Der letzte Brand…

Saisonende für die letzten Luzerner Schnapsbrenner: Brenner Limacher Kurt füllt das letzte Chessi der Saison mit einem Gemisch aus gut gelagertem Birnenbrei, heizt die 3 Kupferkessel seiner alten, fahrbaren Brennerei nochmals richtig ein und wartet dann auf die ersten Tropfen des begehrten Klaren.FLIP-Brenner_01BB

Schnapsbrennen – ein Relikt aus einer Vergangenheit, wo sich im Seetal noch Obstbaum an Obstbaum reihte und die zahlreichen Schnapsbrenner wie Kurt’s Vater noch das ganze Jahr unterwegs waren. Bis die Schweizerische Alkoholverwaltung den klaren Schnaps als Gefahr für die Bevölkerung taxierte und Millionen Fränkli ausschüttete, um die dichten Baumbestände zu lichten und damit den angeblich zu hohen Alkoholkonsum einzudämmen. Damit lichteten die nationalen Alkoholhüter auch die Reihen der Schnapsbrenner, auch wenn heute die Behörden mit grossem finanziellem Aufwand neue Hochstammbaum-Kulturen subventionieren.FLIP-Brenner_03BB

Nur wenige Wochen war Limacher Kurt aus Urswil heuer mit seiner mobilen Brennerei unterwegs im Seetal. Der Parkplatz vor dem Restaurant Linde in Kleinwangen bildet nun den Abschluss der kurzen Saison. Und 2018 wird’s wohl noch arger: an eine Ernte ist heuer dank spätem Kälteeinbruch wohl kaum zu denken. Das war schon mal ganz anders: vor 20 Jahren zählte Kleinwangen, das Bauerndorf an den sonnigen Flanken des Lindenbergs zwischen Hohenrain und Lieli 36 Bauernbetriebe und alleine in Kleinwangen parkte Limacher seine Brennmobil an 12 Standorten, um das Obst der umliegenden Bauern während Wochen zu feinsten Destillaten zu verfeinern. Heute reichen dazu ein einziger Standplatz und wenige Tage.FLIP-Brenner_08BB

Auch wenn Limachers Gefährt schon einige Jahrzehnte im Kessel hat und schon Kurt’s Vater, wie heute auch sein Bruder Schnaps brannten, das Handwerk ist viel, viel älter und hat sich nie verändert: Die Bauern der Umgebung liefern die gutgelagerte Maische der letztjährigen Obsternte in Fässern an, Limacher Kurt heizt seinen Dampfkessel mächtig ein und pumpt die Maische ins Kupferchessi:

Der Deckel wird wie ein Dampfkochtopf fest verschlossen, das Verbindungsrohr zum Kühlturm festgeschraubt und die Dampfzufuhr geöffnet, um die Maische zu erwärmen und den Brennprozess zu starten. Dann heisst es abwarten, ständig Holz nachlegen, Hitze und Dampfdruck kontrollieren und ab und zu bei einem Kafi Schnaps eine Qualitätskontrolle (Quality Management) vorzunehmen:

Die Maische wird im Kupferkessel auf etwa 80˚C erhitzt und schließlich gebrannt. Dabei trennen sich die einzelnen Inhaltsstoffe, der Alkohol wird im Kühlturm aufgefangen (destilliert). Limacher speist mit dem Kühlwasser wiederum den Damfpkessel. Ganz langsam tröpfelt der giftige „Vorlauf“ aus dem Destillator, Limacher wechselt mit Kennerblick den Kessel und nun rinnt das glasklare Destillat unaufhörlich.

Am Abend holen die Bauern ihren Schnaps wieder ab und bezahlen den Lohnbrenner mit einem fixen Preis pro Liter Schnaps. Limacher Kurt schleppt seinen Brennanhänger mit dem Traktro nach Urswil zurück und sitzt bis zur nächstjährigen Brennsaison wieder hinter dem Lenkrad eines Emmi-LKW.

 

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